Motion Design — mit Raum arbeiten – Openmedi

Motion Design — mit Raum arbeiten

In einem meiner Kurse an der Hochschule für Künste beschäftige ich mich mit "Motion Design". Das steht dazu im Vorlesungsverzeichnis:

In dieser Veranstaltung werden Verfahren der Erfassung und Beeinflussung von räumlicher Erfahrung mit visuellen und Auditiven Aufzeichnungsmedien erörtert. Welche Möglichkeiten bieten beispielsweise Verfahren der Bilderkennung in der Rekonstruktion von Wegen bzw. Verhaltensweisen im Raum und inwieweit können daraus alternative Formen der Kartografie, der Verortung oder der Wegweisung abgeleitet werden? [...]

Es geht also um Räume. Sowohl virtuelle als auch reelle Räume spielen eine Rolle und wir werden uns mit neuen Repräsentationen, Abbildungen und Darstellungen beschäftigen. Ich soll für den Kurs etwas Recherchearbeit leisten, welche Dinge es denn bisher schon gibt und dann auch noch ein bisschen Prophet spielen, was uns in der Zukunft in diese Richtung erwarten wird. Also, fangen wir mal an:

Was gibt's?

Es gibt schon eine ganze Menge! Fangen wir vielleicht mit den eher klassischen Applikationen an: Google Earth und Microsoft LiveMaps sind vielleicht die bekanntesten Vertreter, die versuchen die Erde zu visualisieren. Das Prinzip ist bei beiden gleich. Riesige Datenmengen, z.B. Satelitenbilder, Fotos, 3D-Darstellungen, Straßennamen und ganz viele zusätzliche Funktionen (z.B. die Vogelperspektive bei LiveMaps) werden zu einem großen Ganzen verschnürt und geben dem Nutzer die Möglichkeit die Welt aus einer ganz anderen Perspektive, nämlich der von oben, zu sehen. Als (bisher noch nicht gleichwertiges) Open-Source-Pendant kann man das OpenStreetMap-Projekt bezeichnen. Auch hier hat man die Möglichkeiten POI (points of interest) einzutragen. Ein interessantes Video mit einem der Macher dieses Projektes habe ich über Robert Basics Blog gefunden.


Openstreetmap-Interview with Andy Allan from Peter Eich on Vimeo.

Ein ebenfalls sehr interessantes Projekt ist Microsofts Photosynth, einem Programm welches Bilder miteinander synchronisiert und damit den Eindruck einer 3-dimensionalen Fotocollage erweckt. Das als studentisches Projekt begonnene Tool wurde von Microsoft aufgekauft. Am besten zeigt es ein Video auf TED:

Ziemlich bekannt dürfte auch Google Streetview sein, welches in Google Maps integriert wurde. Streetview ist gerade in Deutschland aktuell, weil derzeit nämlich die deutschen Städte digitalisiert werden. Die Technik, die hinter Streetview steht ist denkbar einfach: Es werden alle paar Meter aus einem eigens dafür präparierten Auto Bilder geschossen und dann so hintereinander gelegt, dass der Eindruck entsteht man würde durch eine dieser digitalen Städte reisen.

Ein Screenshot kann natürlich nicht alles zeigen, am besten ist es man sieht sich das mal selber auf der Website von Google an. Mit ein bisschen Glück werden wir demnächst dann auch virtuell durch deutsche Städte spazieren können. Google hat sich laut Techcrunch die Photoplattform Panoramio einverleibt, die über eine "Umschauen"-Funktion verfügt und damit als Konkurrenzprodukt zu Microsofts Photosynth auftritt. Vom Umfang her ist sie mit dem mächtigen Photosynth noch nicht zu vergleichen, aber es dürfte spannend sein, was wir in Zukunft auch von dieser Seite erwarten können. Meine Stimme hat Panoramio auf jeden Fall schon mal, setzt es doch auf Profanes Flash um die Verknüpfung von Bildern zu erreichen. Und wie heißt es doch so schön: Konkurrenz belebt das Geschäft. Eine weitere interessante Randnotiz zum Thema ist, dass ofenbar das leider nicht mehr online befindliche Open-Source-Projekt OpenPhotoVR in Panoramio verwurstet wurde. Das zumindest konnte ich in meinen Recherchen durch die Überbleibsel von OpenPhotoVR herausfinden (Ich habe dem Dev von OpenPhotoVR auch eine Mail geschrieben, doch dieser hat bisher nicht geantwortet).

Neben diesen Repräsentationen realer Welten gibt es auch unglaublich viele Projekte, die virtuellen Raum erfahrbarer machen wollen. Allen voran sollte man dabei Second Life nennen, welches gleich eine komplette virtuelle Welt zur Verfügung stellt in der die Nutzer, "ganz wie im echten Leben" Land erwerben und ganz viele andere Dinge tun können. Auch haben sich einige Firmen in dieser Welt ein virtuelles Gegenstück erschaffen (IBM oder auch der Axel-Springerverlag). Second Live ist natürlich nicht die einzige Plattform welche virtuelle Welten zu Verfügung stellt, die nicht mehr ausschließlich dem Zweck eines Spieles unterworfen sind. Ich mache mal ein bisschen namedropping, weil allein dieses Thema mehrere Artikel füllen würde:

  • OpenCroquet - Ein Open Source Toolkit zum Erstellen virtueller Welten (via)
  • UniVerse - Ein Projekt, welches eine freie virtuelle Welt erschaffen will (ebenfalls via)
  • Interview mit Christian Scholz - dem laut Robert Basic "bekanntesten SL-Experten" (es geht nicht nur um SL sondern auch um weitere Entwicklungen im Bereich 3-D-Internet und Co.)

Was erwartet uns?

Nachdem man nun einen kleinen und ziemlich unvollständigen Einblick in die heutigen "Raumapplikationen" hat, können wir uns mit etwas Zukunftsmusik beschäftigen. Eigentlich werde ich hier nur meine eigenen Idee mal etwas ausformulieren, aber wer weiß, vielleicht gibt es ja noch andere mit ein paar Ideen zum zukünftigen Umgang der digitalen Medien mit "Raum". Was ich mir sehr gut vorstellen könnte wäre eine Art Streetview-Photosynth-Mashup, was es uns nach und nach ermöglicht ganze Städte zu virtualisieren und die Detaildichte signifikant zu erhöhen. Vorstellbar wäre auch eine zusätzliche Abtastung der Städte um die räumliche Tiefe der Städte zu digitalisieren und damit tatsächlich ganze Städte mit einem enorm hohen Detailgrad zu virtualisieren. Das wäre super. Man hätte nicht nur die Möglichkeit virtuell ein anderes "Leben" in bekannter Umgebung zu führen sondern könnte darüber hinaus bestimmte Orte, die man in Zukunft besuchen möchte im Computer schon vorher zu besuchen.

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  1. […] ich im letz­ten Post schon geschrie­ben hatte, gibt es neben Pho­to­synth und Pan­o­ra­mio ein wei­te­res Pro­jekt, wel­ches sich […]

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